Presse-Ressort von Sammy

Ausstellung „Intimacy!“ im Kunstmuseum Ahlen

Verfasst von: Martin Brand Donnerstag, 11.03.2010, 13:08 Uhr
Wenn die Kunst baden geht...

Noch bis zum 25. April können Besucher des westfälischen Kunstmuseums Ahlen auf eine Spurensuche zum Thema Badekultur als Sozialgeschichte gehen.


(Ahlen, 7. März 2010) Das kleine Kunstmuseum Ahlen zeigt eine große Sonderausstellung über das Baden in der Kunst und stellt damit den Umgang mit dem nackten Körper in den Mittelpunkt. Mit 140 Exponaten künstlerischer Reflexionen aus fünf Jahrhunderten wird der Wandel im Umgang mit Körperlichkeit und Sexualität, aber auch die Bedeutung des Badens als spirituelle Reinigung gezeigt.
Seit dem späten 19. Jahrhundert wird der intime Moment immer unverhohlener zur Schau gestellt, freizügig und lustvoll zeigen die Frauen dem Betrachter ihre besten Seiten.
Bei französischen Malern der Renaissance fassen sich adelige Damen im Badezuber spitzfingerig gegenseitig an die Brustwarzen. Hier das Bild "Dupond & Dupond" von Qingsong Wang aus dem Jahr 2003. In Deutschland wurde Wang 1996 durch die Ausstellung "China!" im Kunstmuseum Bonn bekannt.
Doch auch ein bedrohlicher Moment schleicht sich ein: Nacktheit macht schutzlos, und so scheint die französische, mehrfach ausgezeichnete Fotografin Bettina Rheims (58) wunderschöne Fremde nicht nur in Rosen, sondern in einer Wanne voll Blut zu schwimmen („Rose McGowan sinking in a bath of roses“, 1996). C-Print, 150 x 120 cm, Sammlung Sander.
Parallel dazu wird die Ausstellung mit mehrsprachigen Führungen und themenbezogenen Malkursen durch die Theodor F. Leifeld-Stiftung unterstützt, die in Ahlen mit ihrem großen bürgerschaftlichen Engagement einen lebendigen Austausch von Kunst und Kultur fördert.
Und verstärkt wird die Gegegensätzlichkeit bei dem übergroßen Bild "Bambi" der österreichischen Künstlerin Xenia Hausner (51) aus dem Jahr 2005, das eine in der Badewanne sitzende nackte Frau frontal zeigt, deren Körper weitgehend verdeckt wird, die aber mit ihrem magischen Blick jeden Besucher durchdringend zu beobachten scheint. Hausners Bilder beschreiben Beziehungen zwischen Menschen, ihre Liebessehnsucht, ihre Einsamkeit, ihre Wünsche. Im Jahr 2000 wurde ihr der Ernst Barlach Preis verliehen.
Ein weiteres neuzeitliches Bild stammt aus der Fotoserie "Twilight" des US-amerikanischen Fotokünstler Gregory Crewdson (48). Ein Junge greift darauf in das Abflussrohr des Badezimmers. Unheimlich wirkt das Bild durch den Widerspruch des Lichts, das durch das Fenster scheint, und die Dunkelheit im Untergrund. Seine Werke, die manchmal an Filme von Alfred Hitchcock, David Lynch oder Steven Spielberg erinnern, erzählen bedrückende Geschichten aus dem US-amerikanischen Leben, die dem Betrachter viel Spielraum für Interpretationen lassen.
Zudem geht es in der Kunstausstellung Ahlen zuweilen verlockend geräuschvoll und amüsandt zu - weil Medienkünstlerin Anne Anders (Universität der Künste Berlin) ihre spektakuläre Videoinstallation einer genussvoll badenden und eifrig telefonierenden, jungen Frau in eine dem Ahlener Hauptsponsor gehörenden Kaldewei-Badewanne projiziert. Man hört ihr "heißßß!", wenn sie Wasser nachfüllt, schaut ihr beim Abschrubben zu. Der Betrachter wird zum Voyeur, aber mit Einladung. Man spürt eine leise Heiterkeit. Hier ist ein Mensch, Mensch.
Der Direktor und künstlerische Leiter des Kunstmuseum Ahlen, Burkhard Leismann, und die Kuratorin Dr. Martina Padberg vermitteln mit dieser einmaligen Ausstellung neben der künstlerischen Reflexionen, dass das Baden ein menschliches Urbedürfnis ist, und das es über die kulturelle Vorstellungen von Hygiene und Sauberkeit hinaus, auch über Schönheit, Sinnlichkeit, Sexualität und Religion geht, und ebenso auch über den Umgang mit Körperpflege und Reinlichkeit.
Die gutbesuchte Ausstellung wird durch den Hauptsponsor, die Ahlener Firma Franz Kaldewei GmbH und Co. KG. ermöglicht. Franz Dieter Kaldewei, Leiter des Familienunternehmens, sieht die Unterstützung der außergewöhnlichen Ausstellung als Fortsetzung des gesellschaftlichen Engagements von Kaldewei. „Damit setzen wir 2010 ein kulturelles Highlight für die Bewohner der Stadt Ahlen und für die Gäste der Stadt. Das Unternehmen ist der Stadt Ahlen und der Region eng verbunden und möchte mit dieser Ausstellung einen Beitrag für mehr Attraktivität und Lebensqualität leisten. Wir sind besonders stolz, dass wir diese Ausstellung begleiten dürfen.“
Zielsetzung der Ausstellung ist die Gegenüberstellung von alter und zeitgenössischer Kunst. Nirgendwo wird das so zielstrebig verwirklicht wie im oberen Stockwerk des Museums bei Jacques-Louis David (* 1748 in Paris; † 1825 in Brüssel). Der Maler des Bildes "Der ermordete Marat" (1793), war nicht nur einer der Wegbereiter des Klassizismus, sondern auch einer der genialsten Propagandisten der Französischen Revolution. Als der gnadenlose Publizist Marat aus politischen Gründen von Charlotte Corday ermordet wurde, schuf David sein weltliches Märtyrerbild. Marat, der sich wegen einer schweren Hautkrankheit stundenlang in seiner Badewanne aufhielt, wird hier in einer Pose gezeichnet, die frappant an die Darstellungen der Kreuzabnahme Christi erinnern.
Die teuerste und aufwendigste Ausstellung, die noch bis zum 25. April 2010 geht, zeigt neben Gemälden und Grafiken auch Skulpturen, Raum- und Videoinstallationen.

Zur Ausstellung ist ein reich bebildeter Katalog in englischer und deutscher Sprache erschienen mit Beiträgen zur Kultur- und Kunstgeschichte, zur Badekultur in Japan und im Orient, zum Bad als Tatort im Film und zur Wellness-Kultur und kostet 39 Euro.
Mehr Fotoimpressionen unter "My Gallery"

Für Bildmaterial stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Fotos sind urheberrechtlich geschützt, für Veröffentlichungen und Publikationen bitten wir um Rücksprache bei:
presse-brand@web.de

Info:
www.intimacy-badeninderkunst.de
www.kaldewei.com/de
www. stiftungen.stifterverband.info/s118_leifeldt/index.html
Veranstaltungsort / Treffpunkt
Kunstmuseum Ahlen
Museumsplatz 1
59227 Ahlen
Telefon: 2382 - 91 83 0
Fax: 2382 - 91 83 83

Öffnungszeit:
Di-So 11-18, Do bis 20 Uhr.

Führungen: Sa./So.: 16:00 Uhr
Lesedauer: 4 Minuten Aufrufe: 3145

« Zurück zur Übersicht
Nutzungsbedingungen    Info